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Durchschnittstilgungsrate
Inhaltsverzeichnis
Bei der Rückzahlungsplanung eines Kredits beschreibt die Durchschnittstilgungsrate, wie viel der ursprünglichen Kreditsumme im Jahresdurchschnitt getilgt wird. Sie zeigt damit, wie schnell die Restschuld über den betrachteten Zeitraum sinkt. Als Kenngröße kann sie Finanzierungsvarianten vergleichbarer machen, sofern jeweils dieselbe Berechnungsmethode und derselbe Betrachtungszeitraum verwendet werden.
Definition: Was ist die Durchschnittstilgungsrate?
Die Durchschnittstilgungsrate bezeichnet den prozentualen Anteil der Kredittilgung im Verhältnis zur ursprünglichen Kredithöhe, gemittelt über die Laufzeit oder einen festgelegten Betrachtungszeitraum. Sie gibt damit Auskunft über die durchschnittliche Geschwindigkeit, mit der ein Kredit zurückgezahlt wird. Üblicherweise wird sie als jährlicher Prozentsatz bezogen auf den anfänglichen Darlehensbetrag angegeben. Bei Annuitätendarlehen steigt der Tilgungsanteil der gleichbleibenden Rate im Zeitverlauf, weil die Zinsen mit sinkender Restschuld abnehmen. Die Durchschnittsgröße glättet diese Entwicklung. Sie ist von der anfänglichen Tilgung zu unterscheiden und umfasst ausschließlich den Tilgungsanteil, nicht die gezahlten Zinsen.
Die Berechnung der Durchschnittstilgungsrate
Die Durchschnittstilgungsrate wird berechnet, indem die Summe der Tilgungen im betrachteten Zeitraum durch die ursprüngliche Kredithöhe und die Zahl der betrachteten Jahre geteilt wird. Für die praktische Ermittlung eignet sich die Berechnung von Raten und Laufzeit, um Zins- und Tilgungszusammenhänge nachvollziehbar zu machen. In Worten: Durchschnittstilgungsrate in Prozent = (Summe der Tilgungen / Anfangsdarlehen) / Betrachtungsdauer in Jahren × 100. Beispiel: Wird ein Darlehen über 200.000 Euro ohne Restschuld in 20 Jahren vollständig getilgt, ergibt sich eine Durchschnittstilgungsrate von 5 Prozent pro Jahr. Wird es durch zusätzliche Tilgungen bereits nach 16 Jahren vollständig zurückgezahlt, beträgt sie bezogen auf diese tatsächliche Laufzeit 6,25 Prozent pro Jahr. Zinsen und mögliche Kosten sind in dieser Kennzahl nicht enthalten.
Einflussfaktoren auf die Durchschnittstilgungsrate
Die Durchschnittstilgungsrate hängt vor allem von der Höhe und dem Zeitpunkt der Tilgungen sowie vom gewählten Betrachtungszeitraum ab. Zu den relevanten Vertragsmerkmalen gehören die laufende Rate, die Laufzeit, der anfängliche Tilgungssatz, der Sollzins, vereinbarte Sondertilgungen, tilgungsfreie Phasen und mögliche Tilgungssatzwechsel. Ein Überblick über Konditionen im umfassenden Kreditvergleich kann dabei helfen, solche Stellgrößen gegenüberzustellen. Bei einem Annuitätendarlehen beeinflusst der Zinssatz, welcher Teil der Rate auf Zinsen und welcher auf die Tilgung entfällt. Bei gleicher Rate führt ein niedrigerer Sollzins zu einem höheren Tilgungsanteil und damit zu einem schnelleren Abbau der Restschuld; bei einer anders festgelegten Rate muss dieser Effekt gesondert geprüft werden. Auch Umschuldungen verändern die Aussagekraft, wenn alter und neuer Kredit nicht über einen einheitlichen Zeitraum betrachtet werden.
Hohe Durchschnittstilgungsrate: Nutzen und Belastungsgrenzen
Eine hohe Durchschnittstilgungsrate bedeutet, dass die Restschuld gemessen am Anfangsdarlehen vergleichsweise schnell sinkt. Das kann die Finanzierung verkürzen und die Zinsbelastung reduzieren, setzt aber ausreichend tragfähige laufende Raten oder zusätzliche Tilgungen voraus.
Mögliche Vorteile:
- Eine hohe Durchschnittstilgungsrate führt zu einer schnelleren Rückzahlung des Darlehens.
- Da die Restschuld schneller sinkt, fallen bei ansonsten gleichen Bedingungen über die Laufzeit weniger Kreditzinsen an.
- Nach der vollständigen Rückzahlung steht die bisherige Kreditrate wieder für andere Zwecke zur Verfügung.
- Bei grundpfandrechtlich gesicherten Darlehen kann die schnellere Reduzierung der Restschuld den Beleihungsauslauf verbessern und die Ausgangslage für eine Anschlussfinanzierung begünstigen.
- Eine kürzere Gesamtlaufzeit verringert den Zeitraum, in dem eine Anschlussfinanzierung zu veränderten Zinsen erforderlich werden kann.
- Bei einer Immobilienfinanzierung wächst durch die Tilgung der lastenfreie Anteil am finanzierten Eigentum schneller.
Mögliche Belastungen und Grenzen:
- Eine höhere laufende Tilgung führt bei sonst gleichen Vertragsbedingungen zu höheren monatlichen Raten.
- Eine zu hoch angesetzte Rate kann die laufende finanzielle Belastung erhöhen und die verlässliche Rückzahlung erschweren.
- Es verbleiben geringere Liquiditätsreserven und weniger Spielraum für unerwartete Ausgaben.
- Das für zusätzliche Tilgungen verwendete Kapital steht nicht mehr für Rücklagen oder andere Zwecke zur Verfügung.
- Bei zu hoch angesetztem Tilgungssatz steigt das Risiko, später eine Ratenanpassung oder Umschuldung zu einem ungünstigen Zeitpunkt zu benötigen.
- Eine vertraglich erlaubte Sondertilgung ist von der vollständigen vorzeitigen Ablösung zu unterscheiden. Bei einer vorzeitigen Gesamtrückzahlung während einer Zinsbindung kann unter den maßgeblichen vertraglichen und gesetzlichen Voraussetzungen eine Vorfälligkeitsentschädigung anfallen.
Die Durchschnittstilgungsrate eignet sich vor allem dazu, den durchschnittlichen Abbau der Restschuld sichtbar zu machen. Für einen vollständigen Finanzierungsvergleich reicht sie allein nicht aus: Zusätzlich sind insbesondere Monatsrate, Sollzins, effektiver Jahreszins, Gesamtkosten, Restschuld zu einem festgelegten Zeitpunkt und vertragliche Möglichkeiten zur Anpassung der Tilgung zu prüfen. Eine realistisch gewählte Tilgungsstrategie verbessert die Planbarkeit und kann Zins- sowie Restschuldrisiken begrenzen, ohne die notwendige Liquiditätsreserve zu verdrängen.
- Stand: 12.09.2026
- Zuletzt aktualisiert von: Carolina Nowok
- Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
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